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Wer in Rumänien zur Zeit Ceaucescus lebte, musste auf Wunder hoffen - eine Kindheit in einem kommunistischen Land. (DR) Alin ist der Icherzähler dieser Kindheitserinnerungen. Mit einem gehörigen Schuss Humor erzählt er vom Alltag in seiner Heimatstadt Temsvar in Rumänien und von den Versuchen, dieses Land zu verlassen. Einige Wunder müssen geschehen, bis die Ausreise der Familie tatsächlich gelingt. Die Sicht des heranwachsenden Buben soll Naivität vermitteln, doch der Autor Florescu bricht sie stets, indem er seinen jungen Helden die Welt aus der Sicht der Erwachsenen referieren lässt. Daraus ergeben sich gar köstliche Widersprüche, der Schein wird entlarvt und die gar nicht glorreiche Wirklichkeit tritt zutage. Alin, der an einer Muskelschwäche in den Beinen leidet, ist ein intelligentes Kind, das sich seinen eigenen Reim auf die Reden, noch mehr aber auf das Schweigen und Flüstern der Erwachsenen macht. Er ist ein unglaublicher Rezipient westlicher Filme, die die Vorstellungen vom kapitalistischen Leben und der Liebe stark geprägt haben und natürlich Helden bereit hält, an denen sich der Pubertierende zu orientieren versucht. Als würde er mit Spiegeln arbeiten, versteht es Florescu beide Welten - die des Kommunismus und die des Kapitalismus - mit zynischer Anteilnahme zu beschreiben. Wenn man den kurzen Text zur Person des Autors liest, dann darf man wohl von sehr vielen biografischen Bezügen ausgehen. Dennoch liegt keine Biografie vor, sondern ein überaus gelungener Gesellschaftsroman, der eine Brücke zwischen Ost und West schlägt, und etwas von einer Schweijkiade an sich hat. Daneben ist es aber auch ein Entwicklungsroman, in dem ein heranwachsender Pubertierender auf der Suche nach seiner Identität ist. Und irgendwie liest er sich auch noch wie eine heitere Anekdotensammlung. Weitere "Wunderzeiten" sind dem begnadeten Erzähler Florescu zu wünschen und dem Buch, das es in zahlreichen Bibliotheken seine Leser/innen findet. *bn* Martina Lainer |